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Tipp 4: Teile deine Arbeit in vier Abschnitte [10 Tipps]

Damit dein Text für deine Leserinnen nachvollziehbar wird, musst du ihm eine transparente und verständliche Struktur geben. Du kannst nicht einfach am Anfang deiner Arbeit anfangen und dann deine Gedanken runter­schreiben, sondern solltest dir aus der Perspektive deiner Leserinnen Gedanken über eine sinnvolle Reihenfolge machen. Dabei hat sich in wissenschaftlichen Arbeiten eine Unterteilung in vier Abschnitte als hilfreich erwiesen:

  1. eine Einleitung, in der du deinen Leserinnen einen Überblick über Relevanz und Vorgehen deiner Arbeit gibst,
  2. ein „Theorieteil“, in dem du aufzeigst, welche wissenschaftlichen Überlegungen es zu deiner Frage schon gibt und wie du deine Frage dort verortest,
  3. die „eigentliche Arbeit“, in der du deine konkrete Frage beantwortest und schließlich
  4. ein Fazit, in dem du deine Argumentation zusammenfasst und wieder in den großen wissenschaftlichen Kontext einbindest.

Dieser Text ist Teil der Artikelreihe 10 Tipps zum Schreiben deiner Bachelorarbeit (und Grundsätzliches über die Wissenschaft). Wenn Du keinen Artikel verpassen willst, kannst Du den gesamten Blog oder nur die Artikelreihe per RSS abonnieren.

1. Abschnitt: Einleitung (“Worum geht es, warum ist das interessant und wie gehe ich vor?”)

Die Einleitung beginnt mit einem Aufhänger, den du als Einstieg in diese Arbeit nutzt. Das kann ein aktuelles Ereignis sein, eine gesellschaftliche Diskussion, ein allgemein bekanntes Problem oder eine provokante These. Dieser Einstieg muss nicht unbedingt wissenschaftlich sein, sondern soll den Leser dazu bringen, mehr als die ersten Zeilen deines Textes zu lesen.

Im Anschluss geht es darum, von diesem breiten Einstieg nach und nach zu einem spezifischeren Thema überzuleiten, bis am Ende der Einleitung eine möglichst klar formulierte Forschungsfrage steht. Diese solltest du unbedingt explizit formulieren und so spezifisch fassen, dass du sie am Ende deines Textes ebenso explizit beantworten kannst (siehe Tipp 2).

Zum Abschluss der Einleitung solltest du den Leser darauf vorbereiten, wie der Rest der Arbeit strukturiert ist. Kündige hier kurz an, was in den restlichen Kapiteln passieren wird, damit der Leser grundsätzlich orientiert ist und sich im Zweifel gleich die für ihn interessanten Teile heraussuchen kann.

Beispiele:

„Um diese Frage zu beantworten, wird Kapitel zwei zunächst herausarbeiten, wie…. Anschließend skizziert das dritte Kapitel…. Kapitel vier wird aus diesen Überlegungen dann konkrete Handlungsempfehlungen ableiten.

2. Abschnitt: Stand der Forschung („Was gibt es schon und was fehlt?”)

Im zweiten Abschnitt geht es darum, das bereits vorhandene Wissen in Bezug auf die Frage zusammenzutragen und zu strukturieren. Dieser Teil dient der Aufarbeitung der Forschungsliteratur und nutzt im Normalfall die meisten Quellenverweise. Damit legst du den Grundstein für deine eigene Arbeit, weil du zeigst, worauf du aufbauen kannst und auch, wovon du dich abgrenzen möchtest.

Hier solltest du die Begriffe klären, die du in deiner Arbeit nutzen wirst und sie von ähnlichen Begriffen abgrenzen bzw. dich zwischen unterschiedlichen Interpretationen entscheiden. Dazu kannst du andere Autorinnen mit­einander ins „Gespräch“ kommen lassen und dieses Gespräch moderieren. Dabei solltest du nach und nach klären, an welchen Stellen du mit deiner Arbeit einhaken möchtest. Du kannst hier auch unterschiedliche Modelle oder allgemeine Lösungsvorschläge heranziehen und darauf abklopfen, ob Sie für deine Arbeit hilfreich sind.

Beispiel

Medrano schlägt dabei vor, … [1]. Özcan weist jedoch darauf hin, dass … [2]. Auch die Arbeit von Weizmann bestätigt diese Kritik[3], weswegen diese Arbeit dem Ansatz von Olafsson folgt, der … [4].

Am Ende dieses Abschnitts sollte den Leserinnen klar sein, wie sich deine Arbeit in der wissenschaftlichen Diskussion positioniert – worauf du auf­baust, welche Modelle du nutzt und welche nicht. Zudem solltest du deutlich machen, was das „eigentliche Problem“ deiner Arbeit ist und warum man in deinem Beispiel nicht einfach eine bestehende Lösung aus dem Lehrbuch nehmen kann bzw. wo bei der Umsetzung einer solchen Lösung die größten Schwierigkeiten zu erwarten sind – die du dann im nächsten Kapitel zu lösen versuchst.

Beispiel für ein Fazit des zweiten Abschnitts

In diesem Kapitel ist deutlich geworden, dass die bestehenden Ansätze zur Optimierung von Logistikprozessen auf große Stückzahlen ähnlicher Produkte ausgelegt sind. Es bleibt allerdings die Frage offen, wie diese Prozesse optimiert werden können, wenn die Außenmaße der Waren sich schnell und in unregelmäßigen Abständen verändern. Ansatzpunkte für eine solche Optimierung finden sich in dem Modell von …, das im Folgenden weiter angepasst wird.

3. Abschnitt: eigentliche Arbeit

Im dritten Abschnitt der Arbeit kannst du dann deine eigene Argumentation für die Beantwortung der Forschungsfrage entwickeln. Achte dabei darauf, die Struktur auch hier tatsächlich auf die Frage auszurichten, und widerstehe der Versuchung, Dinge nur deshalb aufzunehmen, weil du sie spannend findest oder eben schon was dazu geschrieben hast.

4. Abschnitt: Fazit („Was habe ich gemacht und was ist dabei rausgekommen?”)

Im Fazit kannst du deine gesamte Arbeit zusammenfassen, und zwar die gesamte Argumentation aus den Abschnitten 2 und 3. Wenn du hier jedem Kapitel einen Absatz gönnst, kann der Leser deine Argumentation leicht nachvollziehen. So hast du auch die Möglichkeit, nochmal gesondert auf die in deinen Augen zentralen Punkte hinzuweisen.

Beispiele

Kapitel 3 hat aufgezeigt, dass…

Aufbauend auf diesen Überlegungen arbeitet Kapitel 4 heraus, dass…

Dann solltest du an dieser Stelle deine in der Einleitung formulierte Forschungsfrage beantworten. Und zwar möglichst explizit, sodass man Frage und Antwort direkt nebeneinanderstellen könnte. So nimmt selbst die Leserin, die nur dein Fazit überfliegt, den zentralen Aspekt deiner Arbeit mit.

Beispiel

Wenn in der Einleitung die Frage lautet: „Welchen Einfluss hat Facebook auf die Entwicklung des Werbemarkts für Kosmetik-Produkte?“, könnte das im Fazit so aussehen: „Diese Arbeit hat aufgezeigt, dass die Verlagerung der Kommunikation in soziale Medien zu einer Zentralisierung des Werbemarktes geführt hat. Dabei ist besonders relevant…“ Im Anschluss an die Antwort solltest du dann noch die Relevanz dieser Antwort diskutieren – gerade im Hinblick auf die in Abschnitt 2 referierte Forschungsliteratur – und mögliche anschließende Forschungsvorhaben anreißen.

Unterschiedliche Anteile der Abschnitte

Jeder dieser Teile sollte in deiner Arbeit vorkommen, dabei können die Gewichte jedoch unterschiedlich verteilt sein. Grundsätzlich sollten Einleitung und Fazit jeweils 5% bis 10% der Arbeit ausmachen. Abschnitt 2 kann je nach vorausgesetztem Vorwissen sehr stark in der Größe variieren, sollte aber nicht zu kurz werden, damit die Arbeit vernünftig innerhalb der vielfältigen wissenschaftlichen Diskussion verortet werden kann.

Bei der Länge der einzelnen Kapitel und Unterkapitel solltest du dich an der Relevanz für deine Argumentation orientieren. Je wichtiger ein Aspekt ist, desto tiefer und ausführlicher solltest du dich mit ihm auseinandersetzen. Achte also darauf, dass du nicht plötzlich fünf Seiten für eine absolute Nebensache ver(sch)wendest.

Alle 10 Tipps:

Tipp 1: Erarbeite eine eigene Position.

Tipp 2: Beantworte eine Frage.

Tipp 3: Gehe in die Tiefe, nicht in die Breite.

Tipp 4: Teile deine Arbeit in vier Abschnitte.

Tipp 5: Nutze Absätze, um deinen Text zu strukturieren.

Tipp 6: Denk an deine Leserinnen. (19. August)

Tipp 7: Halte dich selbst nicht vom Schreiben ab. (2. September)

Tipp 8: Nutze klare und präzise Sprache. (16. September)

Tipp 9: Nutze wissenschaftliche Literatur. (30. September)

Tipp 10: Die Abschlussarbeit ist dein Text! (14. Oktober)

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