Nils Müller - Wissenswerker & Weltenkreuzer
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Moin zusammen!

Ein Gespenst geht um in der Welt: das Coronavirus. Das öffentliche Leben kommt quasi zum Erliegen und auch für mich heißt das: das Pendeln einstellen, von Zuhause arbeiten und die Wohnung nur verlassen, wenn es unbedingt nötig ist. Dabei bin ich in einer absolut privilegierten Situation: Ich kann von Zuhause arbeiten, mein Gehalt ist nicht gefährdet (danke, öffentlicher Dienst) und niemand in meiner unmittelbaren Umgebung gehört zur verschärften Risikogruppe.

Vor diesem Hintergrund bedeutet der aktuelle Zustand für mich eine Entschleunigung. Klar, das #Nerdbaby hält uns auf Trab, kann aber mittlerweile auch schon ein wenig selbstgenügsam unter dem Spielebogen spielen und natürlich schlafen. Und so entsteht freie Zeit. Zeit, die irgendwie genutzt werden will. Dazu flatterte meiner Frau gestern der großartige Newsletter des ebenso großartigen Autors Robin Sloan in die Mailbox. Auch er macht sich so seine Gedanken und bringt sie dann hervorragend auf den Punkt:

If you feel sheltered and safe [are doing everything you can to flatten the curve] — then and only then it’s possible that you are wondering: what now? Where do I direct my attention, of which there suddenly seems to be a surplus? That’s the point at which I want to step in and say: direct it at the same thing you loved on the first day of this year. Then, crank up the intensity. There’s a world waiting on the other side of this crisis, and in that world, you won’t think, gosh, why didn’t I sit and stew all the time? Why didn’t I slice my anxiety even more prosciutto-thin? Really missed an opportunity there…

Also, warum nicht endlich mal einen ersten Newsletter schreiben? Nachdem die ersten von euch sich schon im Dezember hier eingetragen haben und außer einer automatischen Bestätigungsmail noch nichts von mir gehört haben, ist es wahrlich an der Zeit. Deswegen nochmal: Moin! Schön, dass ihr mitlest!
Das bringt mich dann aber gleich zur zweiten Frage: Was schreibe ich hier eigentlich? Letztes Jahr habe ich einfach mal ein Anmeldeformular für diesen Newsletter auf meine Webseite gepackt. Ohne wirklichen Plan, ohne stringentes Konzept. Erstmal sollte es eine Möglichkeit werden, wie ihr euch über neue Blogposts informieren könnt, wenn ihr kein RSS nutzen wollt, könnt oder noch nie davon gehört habt - letzteres lässt sich ändern, ich habe da mal was zu gebloggt: RSS ist das alte neue Twitter: eine Einführung.

Aber vielleicht passt dieser Newsletter noch zu einem anderen Thema, das mich gerade beschäftigt: der Suche nach der eigenen Stimme. In meinem Alltag helfe ich Studierenden dabei, ihre Haus- und Abschlussarbeiten zu schreiben, in meiner Freizeit lese ich Bücher und podcaste darüber (Weltenflüstern & Zwischen zwei Deckeln) und schreibe für meinen Blog mehr oder weniger sachliche Artikel. Alles gut, alles schön. Aber eben nicht unbedingt meine eigene Stimme, sondern entweder ein Kommentar zu dem, was andere schreiben, oder halt ein sachlicher, professioneller Ton.

Auslöser für diesen Wunsch nach einer anderen Ausdrucksform, ja einem anderen Medium, ist der Roman, den ich letzte Woche gelesen habe: Das Gewicht der Worte von Pascal Mercier, ein hervorragender und sehr philosophischer Roman im klassischen Sinne, der vom Leben erzählt, vom Tod, vom Neuanfang, vom Wandel und eben von der Suche nach und der Angst vor einer eigenen Stimme. Die Figuren sind allesamt Übersetzer (leider wenig *innen) und in einem der zahlreichen Briefe steht (etwas umsortiert und gekürzt):

Diese notwendige Aneignung der fremden Stimme schafft die Illusion einer eigenen Stimme. [...] Ich habe sie eingeklammert und habe mich wieder in der Sprache des Alltags und der Wissenschaft verloren. [...] Werde ich aus dieser Stimme jemals wieder herausfinden - zurück zu mir? Und "zu mir": wo ist das?

Und wo doch Newsletter das neue In- und Hip-Medium sind, nutze ich vielleicht einfach dieses Forum, um ein wenig anders zu schreiben. Mehr so, wie ich denke, und weniger so, wie ich denke, dass es öffentlich angemessen ist. Mal schauen.
Jetzt aber genug des Vorgeplänkels, schließlich seid ihr für knallharte Infos und Linktipps hier. Oder so. Nicht? Auch gut. Aber trotzdem: Obwohl ich neben dem #Nerdbaby jetzt auch wieder meine Studis betreue (bzw. mich auf die Betreuung im neuen Semester vorbereite und noch immer nicht weiß, ob ich das vor Ort oder Remote tun werde), bin ich doch ein wenig zum Lesen, Schreiben und Podcasten gekommen:
Auch im Netz habe ich in den letzten Wochen viele interessante Dinge entdeckt, die ich mit euch teilen möchte - und Corona spielt dabei glücklicherweise nur eine kleine Rolle:
So, das war es dann für diesen ersten Newsletter. Mal schauen, wann es den nächsten geben wird. Immerhin muss bis dahin ja genug passiert sein, damit er sich auch lohnt. Und da die Welt gerade ja irgendwie gleichzeitig eingefroren und extrem beschleunigt wirkt...

Wenn ihr mögt und Lust habt, könnt ihr alles an und in dieser Mail gerne als Diskussionsanregung verstehen. Antwortet mir einfach auf diese Mail, ich freue mich, von euch zu lesen.

Bleibt also gesund und macht das beste aus der Zeit,
Nils

Dr. Nils Müller

Heiliger Weg 11
44135 Dortmund
mail@nilsmueller.info
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