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Journalismus, für den ich Geld ausgebe

Für guten Journalismus will ich gerne bezahlen. Aktuell ist es aber gar nicht so einfach, ein hochwertiges, bezahlbares und angemessen digital verfügbares Journalismus-Menü zusammenzustellen.

In meinen Nerdkram-Highlights hatte ich geschrieben, dass ich mich über aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen wieder systematischer über hochwertige journalistische Medien informieren möchte. Es ist aber nicht so einfach, sich ein ausgewogenes Medienmenü zusammenzustellen, das gleichzeitig vollständig für meinen Workflow digital verfügbar, thematisch breit, hochwertig und realistisch zu bewältigen ist. Da ich mich nicht auf ein Medium begrenzen will, sondern verschiedene Perspektiven kennen lernen möchte, darf dann das einzelne Angebot auch nicht zu viel kosten.

Tages- und Wochenzeitungen

Klassische Tages- und Wochenzeitungen fallen dabei raus, weil ich erstens nicht dazu komme, sie auch nur ansatzweise zu lesen, weil sie digital oft nur in proprietären Formaten vorliegen, weil sie für mich zu teuer sind und auch die Qualität mittlerweile einfach zu sehr schwankt.

Ähnliches gilt für die “Plus”-Angebote der Webseiten: Da hatte ich mir letztes Jahr mal FAZ+ für 3€ / Woche angeschaut, mich dann aber von der offensichtlichen Ausrichtung auf eine wohlhabende Zielgruppe und dem zu einseitigen Wirtschaftsfokus abschrecken lassen. Das neue Angebot der Süddeutschen SZ+ ist zwar preislich durchaus ok – 10€ / Monat – die exklusiven Artikel scheinen mir hier aber in erster Linie aus der Kategorie Panorama zu kommen. Ein weiterer Kandidat wäre noch Zeit Online, das preislich für meine Nutzungsweise aber noch zu teuer ist. Bei ~10€ / Monat inklusiver aller Artikel aus der Printausgabe wäre ich wohl dabei. Die taz habe ich eine Zeit lang zwar freiwillig finanziell unterstützt, auch hier aber zu wenige Artikel wirklich gelesen, um die Ausgabe für mich zu rechtfertigen.

Das einzige Medium aus dieser Kategorie, das aktuell regelmäßig Geld von mir bekommt ist der britische Guardian, der mir von ihrer politischen Ausrichtung sympathisch ist, fundiert berichtet und gleichzeitig mit ~7€ / Monat ein sehr zivil bepreistes Online-Abo anbietet.

Tagesgeschehen am Rand der Medienlandschaft

Also habe ich mich für das politische und gesellschaftliche Tagesgeschehen mal an den Rändern der Medienlandschaft umgesehen und zwei Monatstitel gefunden, die (fast) alle meine Kriterien erfüllen: Die Blätter für Deutsche und Internationale Politik (6€ / Monat) sowie die Le Monde Diplomatique (5€ / Monat): Beide bieten umfangreiche Analysen und einen echten Blick in die Tiefe und über den Tellerrand. Dass sie politisch deutlich links positioniert sind, verhindert dankenswerterweise auch, dass sie sich an ein konservativeres Publikum anbiedern und dafür immer wieder dieselben Scheindebatten produzieren. Beide bieten zudem den Download der Zeitung als PDF-Datei an und machen sie dadurch unabhängig archivier- und durchsuchbar.

Als fleißiger Podcast-Hörer gibt es natürlich auch noch Audioformate, die mich regelmäßig begleiten, und für die ich – direkt oder indirekt – gerne Geld ausgebe: Aus dem öffentlich-rechtlichen Deutschlandfunk höre ich regelmäßig Der Tag, Hintergrund und Weltzeit und dann ist da noch die herrlich subjektive und dennoch sachlich fundierte Wochendämmerung, an die per Steady ein wenig Geld fließt.

Linksintellektuelle Schwäche der deutschen Medien

Abseits des politischen Geschehens sieht es in der deutschen Medienlandschaft allerdings äußerst düster aus, was Zeitschriften angeht, die gesellschaftliche Themen tiefgreifend und aus einer politisch neutralen oder tendenziell linken Perspektive in den Blick nehmen, ohne dabei aktivistisch zu werden oder zu sehr in eine Nische abzurutschen. In diesem Bereich fließt mein Geld daher ausschließlich in englischsprachige Publikationen: The Atlantic für gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen und die MIT Technology Review für den Blick auf den Zusammenhang zwischen technologischen Möglichkeiten und sozialen Phänomenen. Beide zusammen kosten mich keine 5 Euro im Monat und bieten ihre Heft-Artikel für Abonnenten auf der Webseite an – der Atlantic zudem auch über einen PDF-Download. So kann ich sie einfach in meinen Workflow einbinden.

Ich bezahle für Auswahl und Tiefe, nicht für Aktualität

Für klassische allgemeinbildende Medien gebe ich aktuell neben den gerne gezahlten Rundfunkgebühren also knapp 25 Euro im Monat aus und fühle mich damit gut informiert. Dazu kommt noch die freiwillige Unterstützung für einen ebenso analytischen aber halt auch unterhaltsamen Podcast.

Die Medien, für die ich Geld ausgebe, nutze ich also in erster Linie wegen der tiefgreifenden Analysen und der Auswahl interessanter und relevanter Geschichten. Aktuelle Nachrichten im engeren Sinne beziehe ich hingegen kostenlos auf den üblichen Wegen.

Mein Medien-Bezahl-Verhalten bestätigt damit das Argument, dass mit Nachrichten selbst eigentlich kein Geld mehr zu verdienen ist. Die eigentliche Leistung des “Qualitätsjournalismus” sollte also tatsächlich in der Einordnung und Analyse liegen. Gerade das kommt bei den großen Medien im täglichen Rennen um Breaking News und Klickzahlen aber leider viel zu kurz.

Wie ist das bei euch? Für welche Medien gebt ihr Geld aus? Und warum?

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