Ein einfacher Trick um sicherzustellen, dass dein Text fließt

Eines der größten Probleme bei den Texten von Studierenden, die an der Uni über den Schreibtisch gelaufen sind, war eine holperige Sprache, die nicht fließt und dementsprechend unangenehm zu lesen ist. Auch wenn es in einem wissenschaftlichen Text in erster Linie darum geht, Ideen, Argumente und Wissen zu verschriftlichen und so zu vermitteln, macht ein Text immer einen besseren Eindruck, wenn er sich angenehm liest. Und es gibt einen einfachen Trick, dies zu testen.

Hauptsatz-Stil und Schachtelsätze vermeiden

Es gibt einen Hauptsatz-Stil. Hier werden Sätze aneinander gereiht. Ein einfacher Satz folgt auf den nächsten. Das wirkt schnell monoton. Auch komplexere Argumente lassen sich so schwer ausdrücken. Ist euch aufgefallen, wie man beim Lesen dieser Sätze irgendwann das Gefühl hat, den Rhythmus im Kopf mitzusprechen? Mich ermüden solche Texte schnell, weil ich über diesem Rhythmus den Blick für den Inhalt verliere und mich nach drei oder vier Sätzen hintereinander bereits über den Sprachstil aufrege. Hier kommt einfach kein Fluss zustande, weil das Lesen ständig durch den Punkt und das damit verbundene Neu-Ansetzen unterbrochen wird.

Auf der Gegenseite sollte man aber auch nicht in die Falle tappen und Sätze konstruieren, die so lang werden, dass man, wenn man sie liest, komplett den Überblick verliert und der Leser beim Versuch, den Text zu lesen und zu entziffern, nach und nach in mentale Atemnot gerät, weil er immer noch nach dem Ende des Satzes sucht, das einfach nicht kommt, weil der Autor sich die Mühe gemacht hat, eine Nebensatzebene, die durch Kommata, welche zwar eine kurze Pause signalisieren aber kein neues Ansetzen, welches des Lesefluss unterbräche, erfordern, eingeschlossen werden, nach der anderen einschiebt. Gerade in den Sozial- und Geisteswissenschaften ist diese Gefahr sehr groß, da hier lange Zeit ein möglichst komplexer Sprachstil als Zeichen für Intellektualität und Qualität verstanden wurde.

Die Mischung macht’s

Ein flüssiger Sprachstil zeichnet sich dadurch aus, das er kurze und komplexere Sätze miteinander verbindet. Es geht auch beim Schreiben eines Textes darum, eine Melodie zu schreiben, die sich für den Leser fließend anfühlt, aber gleichzeitig mit Struktur, also Ruhephasen und Höhepunkten verbunden ist. Spezifische sprachliche Techniken, solch einen Stil zu erreichen, werde ich an dieser Stelle in Zukunft immer wieder vorstellen. Heute möchte ich euch nach dieser allgemeinen Einleitung noch einen Tipp geben, wie man bei einem Text recht einfach herausfinden kann, ob er tatsächlich fließt:

Lest ihn euch selbst vor. Laut.

Dabei merkt ihr schnell, ob das Geschriebene vor euch ein Stakkato von Hauptsätzen ohne Struktur ist, das euch bald zu verleitet, mit dem Kopf mitzuwippen. Wenn ihr im Gegenteil beim Vorlesen eines Satzes außer Atem kommt, weil das Ende einfach nicht kommen mag, ist das ein deutliches Zeichen für zu lange und damit meist auch zu komplexe Satzstrukturen. (Das soll jetzt aber nicht heißen, das Schwimmer oder Sänger per se längere Sätze schreiben können!) Im Gegenzug: wenn ihr den Text in angenehmem Tempo und ohne besondere Atemverrenkungen vorlesen könnt, seid ihr in dieser Hinsicht auf einem guten Weg.

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