Jetzt haben wir schon drei sehr ereignisreiche Wochen 2026 hinter uns und ich bin immer noch nicht dazu gekommen, meine Nerdkram-Highlights für 2025 zu schreiben – also, jetzt frisch ans Werk und mal schauen, wann ich zwischendurch dazu komme, diesen Text zu vervollständigen. Wie immer gibt es Bücher, Brett- und Computerspiele, Musik und diesmal nur sehr wenige Filme und Serien.
Gelesen
Dieses Jahr bin ich endlich mal wieder ernsthaft dazu gekommen zu lesen bzw. zu hören – immerhin knapp 60 Bücher (ohne Manga). Doch so wirklich absolute Mega-Highlights waren nicht wirklich dabei. Aber einige Lektüren, die mir besonders viel Spaß gemacht haben:
Aus der klassischen Science-Fiction waren das mein erster Adrian Tchaikovsky Roman, Elder Race, und der erste Band der neuen Reihe der Expanse-Autoren James S. A. Corey – Mercy of Gods. Beide stellen eine jeweils auf ihre eigene Art sehr faszinierende fremde Zivilisation vor. Bei Tchaikovsky eher dem kurzen Format entsprechend als eine clevere Idee, bei Corey, wie üblich, als Anfang einer epischen Geschichte, bei der ich mich auf die weiteren Teile freue.



In der Fantasy habe ich mir jetzt mal die Bücher von Robin Hobb vorgenommen und mit durch die Farseer-Trilogie gelesen, mit der sie ihre epische Reihe beginnt. Die Bücher sind idealtypische „Slow- Burns“ mit faszinierenden Szenen aber einem in meinen Augen etwas überstürzten Ende.
Ansonsten habe ich mich auch viel an Genre-Grenzen bewegt, wie dem eher surreal-postapokalyptischen Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland von Sarah Brooks oder der seltsamsten Genre-Neuschöpfung des Jahres: cozy body horror – Someone You Can Build a Nest In von John Wiswell. Außerdem waren da noch der übernatürlich angehauchte Polit-Thriller The Man Who Saw Seconds von Alexander Boldizar und das Familiendrama Happiness Falls von Angie Kim, die mich dieses Jahr durchaus beeindruckt haben.



In Sachen Fiktion ist dann noch mein fast abgeschlossener Re-“Read“ von Ada Palmers Terra-Ignota-Reihe zu nennen, deren imposante und aufwendige Graphic-Audio-Inszenierung mich 2025 auf hunderten Jogging-Kilometern quer durch Dortmund begleitet hat – immer noch das in meinen Augen faszinierendste SF-Werk des 21. Jahrhunderts…
Achja, ich habe dann wohl mit Band 3350 auch wieder mit Perry Rhodan angefangen, dessen aktueller Zyklus einfach „geerdet“ ist und sich mich echten Problemen beschäftigt und nicht irgendwelchem interstellaren Techno-Babble.
Bei Sachbüchern gab es 2025 noch weniger wirklich Faszinierendes, auch wenn ich natürlich die eine oder andere Folge Zwischen zwei Deckeln aufgenommen habe. Das eine Buch, was mich aber wirklich nicht losgelassen hat, war I Want a Better Catastrophe von Andrew Boyd, der einen sehr persönlichen Blick auf das bevorstehende Ende der Zivilisation wirft, das uns in den nächsten Jahrzehnten „dank“ der Klimakatastrophe erwartet – wenn euch das interessiert und ihr euch in der Lage fühlt, das zu verarbeiten, hört doch mal in die entsprechende ZZD-Folge rein:
„Perfekte“ Ergänzung dazu sind Zwischen friedlicher Sabotage und Kollaps von Tadzio Müller, das sich demselben Thema aus einer eher aktivismus-historischen Perspektive widmet und der Roman Parts Per Million: Gewalt ist eine Option von Theresa Hannig, der die Radikalisierung einer Autorin aus der Münchener Vorstadt beschreibt, die sich der Realität der Klimakatastrophe stellt.
Brettspiele
Nicht nur mein Lesen ist wieder besser in Gang gekommen, auch in Sachen Spielen ging 2025 deutlich mehr als davor – ich war wieder bei einem großen Spielewochenende und habe mich auch digital durch einige Spiele gewühlt. Aber fangen wir mit dem analogen Spielen an:
Auf dem Spielewochenende im Frühsommer hatte ich insbesondere zwei Favoriten, die beide sehr geschickt darin sind, unterschiedliche Spielmechanismen zu verknüpfen und dabei auch thematisch nicht nur eine Fassade zu präsentieren: Bei Beyond the Horizon ist es der Aufbau einer Zivilisation mit Tech-Tree, Weltenbau und einem Engine-Mechanismus, bei Endeavor – Die Tiefsee sind es ebenfalls ein sehr eng gefasstes Worker-Placement und die Entdeckung einer Karte, die immer neue Mechanismen freilegt. Außerdem lässt sich das Spiel kooperativ und kompetitiv gleichermaßen spaßig spielen.


Gegen Ende des Jahres sind dann noch zwei weitere Spiele zu meinen Highlights dazugekommen: Auf der einen Seite das Karten-Legespiel Tacta, das meiner Frau auf Instagram beworben wurde und uns vom Aussehen sofort fasziniert hat. Glücklicherweise hat es auch spielmechanisch einiges zu bieten: Der physische Tisch, auf dem gespielt wird, begrenzt das Spielfeld, auf dem die Karten nach einfachen Regeln teilweise überlappend ausgelegt werden müssen. Nicht mega tiefgründig, aber schnell gelernt, sehr unterhaltsam und gerade auf schwarzen Tischen optisch etwas Besonderes.
Zu Weihnachten gab es dann noch ein physisches Schwergewicht als Zugang in unser Spieleregal: Vantage. In den ersten zwei Runden hat es auf jeden Fall eine Menge Spaß gemacht, den fremden Planeten zu erkunden und seine Geheimnisse zu entdecken – jetzt bleibt nur zu hoffen, dass sich da über die Runden hinweg tatsächlich ein etwas zusammenhängenderes Bild ergibt. Auf jeden Fall ein super-spannendes Konzept, das stark an das Gefühl von Open-World-Computerspielen erinnert und mit einer eher einfachen und schnell zu lernenden Brettspielmechanik einhergeht.
Computerspiele
Und wo wir schon bei Analogien zwischen Brett- und Computerspielen sind, machen wir da doch auch gleich weiter. Hier ist dieses Jahr durchaus eine Menge los gewesen. Dabei war ich in erster Linie im AA- und Indie-Bereich unterwegs.
Anfang des Jahres habe ich meinen Durchgang von Yakuza: Like A Dragon abgeschlossen – es ist bei mir relativ selten, dass ich ein Spiel wirklich abschließe, gerade so ein großes, aber das hier hat gleichzeitig mechanisch einfach Spaß gemacht und gleichzeitig eine spannende und unterhaltsame Geschichte erzählt.



Dann habe ich mich einige Wochen im wunderbar melancholischen Claire Obscure: Expedition 33 verloren, habe nach rund 10 Spielstunden aber irgendwie den Anschluss verloren. Vielleicht ist gerade für mich einfach nicht die Zeit der dunklen, traurigen Geschichten. Etwas länger habe ich über den Sommer in Final Fantasy VII Remake verbracht – mein erster Einblick in das Franchise – durchaus mit spannender Story aber nach ca. zwei Dritteln der Handlung wurde es mir dann doch irgendwie zu langsam und repetitiv. Seit ein paar Wochen spiele ich Obsidians neues Rollenspiel Avowed – mal schauen, ob ich da auch an meiner üblichen Zehnstunden-Grenze scheitere.
Wie immer gab es auch deine eine oder andere kleine Indie-Spiel, das mich fesseln kann. Dieses Jahr war das am PC in erster Linie das Roguelike Araknoid BallXPit und auf dem Handy der Autobattler Backpack Brawl. An der XBox habe ich mich einige Stunden durch Blue Prince gerätselt, habe es hier aber nicht bis zum versteckten 36. Raum geschafft.
Musik
Seitdem ich meine Musik nicht mehr über den Quasi-Monopolisten Spotify beziehe, sondern über Qobuz, hat sich mein Musikgeschmack extrem geweitet und so gibt es auch dieses Jahr in meinen Nerdkram-Highlights wieder so einige musikalische Neuentdeckungen.
Als Erstes sind da die Alben, die sich sowohl als Begleitung zum Arbeiten oder Lesen anbieten, die aber auch musikalisch genug Spannung und Kreativität bieten, um nicht langweilig zu sein. Ganz vorn ist für mich das aktuelle Album der Band Beirut: A Study of Losses. Ein sehr elegisch-atmosphärisches Album, das bei uns dieses Jahr rauf und runtergelaufen ist. Der weitere sehr honorable mentions sind die europäisch-afrikanische Co-Produktion Our Calling
Piers Faccini und Ballaké Sissoko, das folkloristisch angehauchte Nightjar von Liz Overs und besonders als Begleitmusik zum Lesen Poems for Travellers des Emil Brandqvist Trios.
Es gab aber auch das eine oder andere etwas „sperrigere“ Album, das mich dieses Jahr fasziniert und begleitet hat: Das ist das von der Minimal Music inspirierte elektronische Album An Echo of Love von Kerala Dust, das schwermütige Der Clown von Nicolas Fehr und schließlich das opulente und radikale Lux von Rosalía.
Achso, und natürlich der Soundtrack zu Clair Obscure – eine Gänsehaut nach der anderen.
Filme & Serien
Nachdem unser (nicht mehr ganz so) Kleiner entschieden hat, abends erst gegen halb zehn einzuschlafen, ist unser Serien- und Filmkonsum fast ins Bodenlose gesunken. Als absolutes Highlight gab es dieses Jahr daher im Grunde nur die zweite Staffel von Andor, deren politische Beobachtungen von Monat zu Monat leider immer aktueller werden; und das auch vollkommen unabhängig vom Star-Wars-Franchise funktioniert.
Filmisch gab es dieses Jahr mit K-Pop Demon Hunters einen Film, der mich absolut überrascht hat, und den ich eigentlich nur sehen wollte, um mich dann dem Hype bewusst verweigern zu können. Hat aber nicht geklappt, denn Handlung, Geschichte und Produktion sind zwar nicht revolutionär, aber d sehr kompetent gemacht und der Soundtrack geht halt einfach nicht mehr aus dem Ohr.
Im Kino war ich tatsächlich nur einmal – ganz spontan in One Battle After Another einer spannenden Auseinandersetzung mit dem unbedingten Willen, die Welt verändern zu wollen und dabei gleichzeitig an ihr zu scheitern…
Das waren meine Nerdkram-Highlights 2025, auf ein neues Jahr!


Schreibe einen Kommentar