Wissensarbeiter sollten ihr Werkzeug ernst nehmen

  • Wie auch das Handwerk ist die Wissensarbeit auf Werkzeuge angewiesen, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Angefangen von Stift und Papier, über klassische Office-Programme und “das Internet” bis hin zu rechtlichen Grundlagen oder spezialisierten Programmen. Doch bauen Wissensarbeiter selten ein persönliches oder fast schon libidinöses Verhältnis zu ihren Werkzeugen auf. Sie werden vielmehr meist als notwendige Hindernisse auf dem Weg zum Erfolg gesehen.

    Dazu trägt auch bei, dass viele Wissensarbeiter:innen ihre Tools kaum kennen, weil einfach stillschweigend vorausgesetzt wird, dass sie damit umgehen können. Da steht bestenfalls ein Satz à la “die sichere Berherrschung der Standard-Office-Programme wird vorausgsetzt” in der Stellenbeschreibung. Zu viele Wissensarbeiter:innen wissen aber überhaupt nicht, wie man in Word mit Formatvolagen arbeitet, welche Möglichkeiten Formeln in Excel bieten oder auch welche anderen spezialisierten Programme konkrete Aufgaben vielleicht viel besser erfüllen können.

    Dieser Mangel ist dem Einzelnen auch kaum vorzuwerfen, fehlt doch sowohl in der Berufspraxis als auch in der Ausbildung eine systematische Vermittlung dieser Fähigkeiten. Oft, weil sie den entsprechenden Lehrenden selbst fehlt.

    Ich selbst habe einige solcher spezialisierter Tools, die ich gut kenne und sehr schätze und die mir meine Arbeit deutlich erleichtern.

    Embodied Cognition

    Embodied Cognition beschreibt eine Forschungsrichtung in der Psychologie, die davon ausgeht, dass unser Denken nicht nur im Gehirn stattfindet, sondern ganz eng mit anderen Aspekten unseres Körpers und dessen Verhältnis zu und Verhalten in der Welt verbunden ist. Damit stellt sie sich gegen die klassische Kognitionsforschung, die das Denken in erster Linie als Informationsverarbeitung im Gehirn versteht, die Sinnesorgane als “Sensoren” und den Rest des Körpers als Support-System.

    Ein Beispiel ist hier das Fangen eines Balles, bei dem wir nicht unbewusst die Flugbahn des Balles berechnen und uns dann entsprechend verhalten, sondern uns vielmehr situativ so bewegen, dass der Ball in unserer Wahrnehmung in einer geraden Linie fliegt, was im Endeffekt dazu führt, dass wir in eine Position kommen, in der wir den Ball fangen können.

    Crawford zieht von der embodied cognition eine Querverbindung zu etwas, das man embodied morals nennen können. Ich erkenne darin auch Anklänge der gesamten “Habits“-Literatur, die ja auch die Umgebung so gestalten zu versucht, dass sie unsere angestrebten Verhaltensroutinen unterstützen.

    Literatur

    • The World Beyond Your Head von Matthew B. Crawford
    • /wissensarbeiter-unterschaetzen-die-parallelen-zum-klassischen-handwerk/
    • Individualisierung stellt zu hohe Anforderungen an den Einzelnen

      Der Individualismus erlegt dem Individuum eine gewaltige Bürde auf: Es muss die Frage nach dem guten und richtigen Leben nun komplett selbst beantworten und damit die ganze Geistesgeschichte individuell nachvollziehen.

    • 🌟 Das Denken ähnelt dem Handwerk, indem es Werkzeuge und Techniken nutzt, die gelernt und gestaltet werden müssen.