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Bild: Donna Kirby

Vielfältige Phantastik – langsam auch in Deutschland? [Link]

Im englischsprachigen Raum ist der Phantastik-Mainstream sehr vielfältig geworden. In Deutschland dominieren weiterhin “alte weiße Männer”. Wie lange noch?

Seit einiger Zeit findet im englischsprachigen Raum ein grundlegender Wandel in der phantastischen Literatur statt: Es kommen immer Bücher und Geschichten auf den Markt, die nicht von “alten weißen Männern” geschrieben werden, sondern von PoCs, Transsexuellen und Menschen aus allen möglichen sonst oft marginalisierten Gruppen. Und diese Bücher erscheinen nicht nur in irgendwelchen Nischen, sondern finden sich zuhauf auf den Besteller- und Empfehlungslisten wieder. Unter den Hugo-Nominierungen in der Kategorie “bester Roman” finden sich 2019 zum Beispiel fünf Frauen, ein schwuler Transmann und zwei PoCs.

Nach Deutschland hat es dieser Trend bisher allerdings bestensfalls in die Selfpublishing-Nische geschafft und so bleiben z.B. die großen Genre-Awards weiterhin den “alten weißen Männern” vorbehalten. In einem äußerst lesenswerten Artikel versucht die Autorin Elea Brandt, Autor*innen und Leser*innen zu sensibilisieren und aufzurütteln: Fantastisch Politisch.

Dabei geht Sie insbesondere auf die Forderung ein, die phantastische Literatur solle doch bitte “unpolitisch” bleiben:

“Aus diesem Grund wird der Terminus „unpolitisch“ oft für Romane verwendet, die vor allem das repräsentieren, was wir aufgrund unserer Erfahrung als „alltäglich“ erleben. […] Dennoch dürfen wir Romane, die ohne diesen konkreten Bezug auskommen, nicht als „unpolitisch“ betrachten. Jeder Roman ist ein Spiegel seiner Zeit, ein Spiegel der Gesellschaft, in der sein/e Autor*in lebt, und ein Spiegel der Privilegien, die diese Person besitzt”

Fantastisch Politisch (Elea Brandt)

Sie greift dabei auch Forschung auf, die zeigt, dass fiktionale Texte in der Lage sind, die Meinung, die Menschen über eine Personengruppe haben, zu beeinflussen.:

“Zum einen sollten sich Autor*innen bewusst sein, dass ihre Texte die Meinung von Leser*innen über dargestellte Personengruppen oder Szenarien beeinflussen können, auch dann, wenn es sich nachweislich um einen fiktionalen Text handelt. Worte sind eine machtvolle Waffe – deswegen sollten wir sie bewusst einsetzen. Zum anderen wird aus diesen Studien auch deutlich, wie wichtig die (positive) Repräsentation von marginalisierten Gruppen innerhalb fiktionaler Literatur ist. Menschen lernen aus Fiktion, sie nehmen Informationen mit ins Hier und Jetzt und leiten sogar Handlungsoptionen oder individuelle Einstellungen daraus ab.”

Fantastisch Politisch (Elea Brandt)

Es bleibt also der Schluss, dass phantastische Literatur nicht anders kann, als politisch zu sein. Wenn dem so ist, dann stehen Autor*innen auch in der Verantwortung, sich über die expliziten und impliziten Aussagen ihre Texte Gedanken zu machen. Entsprechend endet sie mit einem Appell:

“Seid mutig. Traut euch, neue Wege zu gehen. Reflektiert die Texte, die ihr schreibt und lest. Seid kritisch. Seid neugierig.”

Fantastisch Politisch (Elea Brandt)

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