Verschwörungstheorien und Wrestling

  • Es ist schon erschreckend, wie plötzlich Verschwörungstheorien nicht mehr irgendwo am Rand der Gesellschaft sitzen und eifersüchtig auf die Wahrheit schauen, die von allen geglaubt wird. Stattdessen stehen sie auf einmal mitten in der gesellschaftlichen Diskussion, ja werden sogar von Staatsoberhäuptern vorgeblich demokratischer Staaten verbreitet. Und von veganen Köchen…

    Robin Sloan - von dem ich ohnehin großer Fan bin und der zwei unglaublich nerdige Newsletter verschickt - hat jetzt im Atlantic eine sehr schöne Kurzgeschichte geschrieben, die sich eben diesen Verschwörungstheorien mit beißender Ironie annimmt: The Conspiracy Museum

    I’ll quote my colleague Helena Hwang, who calls conspiracy theories “the third great American art form, alongside jazz and superhero comics.”

    Robin Sloan: The Conspiracy Museum

    Besonders spannend finde ich dabei die Parallelen, die er zwischen der Unterhaltungsbranche und dem politischen Leben zieht, indem er Verschwörungstheorien mit der Inszenierung im professionellen Wrestling vergleicht: Alle wissen, dass es nicht echt ist und tun trotzdem so, als wäre es:

    You know this administration’s foreign policy as Global Kayfabe. You might, additionally, know that the term is taken from professional wrestling.
    Kayfabe: the presentation of staged events as real, with the understanding that the audience is in on it. Kayfabe: the eager suspension, on all sides, of disbelief.

    Robin Sloan: The Conspiracy Museum

    Mich erinnert das ganze ja an das sogenannte Thomas-Theorem, das in seinen Konsequenzen meiner Ansicht nach immer noch gnadenlos unteschätzt wird:

    If [people] define situations as real, they are real in their consequences.

    • 🌟 Es macht wenig Sinn, Menschen als Individuen zu verstehen. Wir leben immer und ausschließlich in Gesellschaften.