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Startup-Logik und evolutionäre Innovation

Das Interview mit Google Chef Eric Schmidt in der gerade erschienenen deutschen Ausgabe der Wired vermittelt einen interessanten Einblick in das Verständnis von Innovationen, das in weiten Teilen der Startup-Szene vorherrscht: Eine Idee und ein gutes Gespür für zukünftige Entwicklungen sorgen zusammen mit einer massiven Arbeitsbereitschaft dafür, dass ein Startup eine erfolgreiche Innovation auf dem Markt platzieren kann.

Das klingt auf den ersten Blick recht eingängig, basiert aber auf einer verzerrten Wahrnehmung, dem sogenannten Survivor Bias: Wir  übersehen wir beim Betrachten von Erfolgsgeschichten und -kriterien gerne, dass viele unter ähnlichen Voraussetzungen gestartete Innovationen gescheitert sind. Natürlich sind eine gute Idee, ein gewisses Gespür für die Zukunft und der Wille bis zum Umfallen zu arbeiten wichtige Voraussetzungen, aber nur notwendige. Ohne sie geht es nicht, sie garantieren aber auch nicht den Erfolg.

Der Erfolg von Startups folgt in meinen Augen in erster Linie einer evolutionären Logik: Es ist nicht der einzelne Gründer, der weiß, wann und wo er mit der richtigen Idee zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Es sind vielmehr so viele Gründer mit so vielen Ideen an unterschiedlichen Zeiten an so vielen Orten, dass irgendwann – mehr oder weniger zufällig – einer von ihnen mit der richtigen Idee zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist.

Wunderbar herausgearbeitet wurde diese Logik schon in den 1970-er Jahren von den Organisationsforschern Michael Cohen, James March und Johan Olsen. Sie bezeichneten das zufällige Zusammenfallen von Problemen, Lösungen, Personen und Entscheidungsgelegenheiten passend als “Mülleimer-Modell (Garbage Can Model)” ((Cohen, Michael D., James G. March & Johan P. Olsen: A Garbage Can Model of Organizational Choice. In: Administrative Science Quarterly. Band 17, 1972, S. 1–25)).

Das klingt zwar nicht so prophetisch und kratzt ein wenig am Mythos des visionären Gründer, dürfte aber der Realität näherkommen.

 

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