So, so. Wir sparen also nicht genug?

Spiegel Online hat heute erste Ergebnisse einer Umfrage des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes zum Sparverhalten der Deutschen veröffentlicht. Demnach sorgen 30 Prozent der Befragten nicht aktiv für ihre Zukunft vor – unter den 14 bis 29 jährigen sogar 50 Prozent. Darüber hinaus gaben 16 Prozent der Befragten an, sich eine entsprechende Vorsorge nicht leisten zu können.

Für Sparkassenpräsident Fahrenschon ist die Lösung einfach “Gerade im Blick auf mittlere und einkommensschwache Haushalte muss die Bedeutung des Sparens zum Vermögensaufbau wieder besonders betont werden.”

Betonen wir also mal ein wenig die Wichtigkeit und schon fängt die junge Generation an zu sparen. Trotz bestenfalls mies bezahlter Praktika, Kettenbefristungen und kontinuierlicher finanzieller Unsicherheit. Stimmt ja, wir hatten einfach vergessen, dass Sparen für das Alter wichtig ist. Vielleicht brauchen wir das Geld aber auch, um den nächsten Umzug zu finanzieren oder die Zeit zwischen zwei Jahresverträgen zu überbrücken?

Dann sind da noch die historisch niedrigen Zinsen. Der Garantiezins (eigentlich “Höchstrechungszins“) für private Rentenversicherungen liegt aktuell bei sage und schreibe 1,25 Prozent! Das ist zwar knapp über der aktuellen Inflation von 0,8 Prozent wird aber für bestehende Verträge natürlich nicht nachträglich nach oben angepasst, falls Inflation und Zinsen mal wieder ein etwas gesünderes Niveau (um die 2 Prozent) annehmen sollten. Der Garantiezins lag in den 1990ern mal bei 4 Prozent! Also schließen wir doch einfach mies verzinste Verträge auf Lebensdauer ab, bei denen auch noch horrende Vertriebs- und Abschlusskosten anfallen und die uns auf Jahrzehnte zu monatlichen Zahlungen verpflichten. Wenn wir doch nicht einmal wissen, wo wir nächstes Jahr leben und wie wir dort unsere Miete bezahlen…

Die Welt kann so einfach sein, wenn man in der Welt der Babyboomer lebt, die von unbefristeten Arbeitsverträgen und auskömmlichen Zinsen geprägt ist. Das ist leider für “die Jungen” nicht mehr die Realität. “Wir” sind schon froh, wenn wir uns einen kleinen finanziellen Puffer und Planungssicherheit für die nächsten ein oder zwei Jahre erarbeiten können.

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1 Antwort

  1. Jo sagt:

    Ein sehr treffender Artikel. Ich frage mich immer, wie diese “einkommensschwachen” Haushalte überhaupt sparen sollen? Teilweise reicht doch der Lohn gar nicht mehr zum Überleben aus. Was also sollen sie denn noch zur Seite legen? In der politischen Theorie klingt das alles immer absolut einleuchtend und einfach. Die Realität ist eine andere. Auch bei diesem Thema hat man oft das Gefühl, dass die Politiker weiter von der Realität entfernt sind, als von der Fiktion.

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