Vier gute Gründe für Citavi und warum ich doch zögere, mich darauf einzulassen

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2 Antworten

  1. Martin Nowak sagt:

    Ein sehr schöner Artikel über Citavi und eine gute Auseinandersetzung mit seinen Vor- und Nachteilen. Die perfekte Software wird es leider nie geben aber ich möchte zu den Kritikpunkten einige Gedanken mitteilen.

    Ich sehe in der Offline-Programmlogik keinen so großen Nachteil, auch wenn Internet immer häufiger an immer mehr Orten verfügbar ist. Liegt sicher auch daran, dass ich kaum Clouddienste benutze. Ich erkenne deren Vorteile an, sehe aber kaum nennenswerte Einschränkungen darin, einen USB-Stick mit den wichtigsten Dingen darauf dabeizuhaben – Inklusive einer portablen Version meiner wichtigsten Programme, so dass ich auf jedem PC damit arbeiten kann, ohne etwas zu installieren. Auch gibt es Leute, die ihre Daten ungern einer Cloud anvertrauen („es gibt keine Cloud, nur einen anderen Computer“). Darum sollte es keinen Online*zwang* geben, eine Online*option* reicht. Und die ist insofern gegeben, als dass der Backup-Ordner von Citavi ein Dropbox-Ordner sein kann, der beim Beenden synchronisiert wird. Link: https://support.citavi.com/forum/viewtopic.php?f=163&t=12979 Dass Citavi indirekt mit der Dropbox kooperieren kann haben Sie ja auch selbst geschrieben.
    Citavi speichert (wie in Ihrem Link beschrieben) außerdem nach jeder Änderung, so dass es einem nicht passieren kann, dass bei einem Stromausfall oder Absturz die Änderungen seit dem letzten Speichern weg sind. Oder zumindest nicht so leicht (letztlich kann das immer passieren). Ich sehe das als großen Vorteil, für den ich eine schlechte Vereinbarkeit mit Cloudsynchronisation gern in Kauf nehme.

    Citavi für Android fehlt tatsächlich, wobei auch argumentiert werden kann, dass man lieber die Software für eine Plattform richtig entwickelt als für mehrere und dafür mit vielen Problemen. Hier hat sich Swiss Academic Software einfach am Marktführer orientiert. Und ich würde ungern auf dem Tablet Texte tippen wollen (habe ich beim Aufstieg der Tablets mit dem iPad damals ausprobiert), zumal sich die Tastatur mit dem PDF und dann noch dem Texteingabefeld den Bildschirm teilen muss. Da verzichte ich gern auf die Schreiboption.

    Das projektbasierte Arbeiten in Citavi ist eine Schwäche, die der Zielgruppe bzw. dem Verwendungszweck geschuldet ist. Zwar nutze ich Citavi durchaus für meine private Wissensorganisation, aber diese fällt bei weitem nicht so umfangreich aus wie bei einem Hochschulmitarbeiter. Das ist ungefähr so, wie der Vergleich einer Exceltabelle mit einer Datenbank zum Verwalten seines Adressbuchs. Excel reicht für private Zwecke sicher aus, vielleicht auch für ein kleines Unternehmen (z. B. Kundenverwaltung in einem kleinen Familienunternehmen) – wenn es aber in den professionellen/sehr umfangreichen Bereich geht muss an den Zweck angepasste Spezialsoftware her.

    Wobei ich jetzt nicht so ganz verstehe, was an einer Ordnerstruktur besser ist als an Projekten. Ob ich jetzt ein Projekt oder einen Ordner öffne kommt doch aufs gleiche raus? Oder ist es die bessere Möglichkeit, die gleichen Quellen in mehreren Ordnern/Projekten zu nutzen? Vielleicht bin ich dafür aber einfach nicht tief genug in der Materie drin, umfangreiche Wissensarchive zu strukturieren.

    Citavi versucht die Eier legende Wollmilchsau zu sein, mit der man sogar (fast) seine komplette Hausarbeit schreiben kann (das Officeprogramm ist dann nur noch für die Formatierung notwendig). Das ist meiner Meinung nach auch, so gut es mit vertretbarem Aufwand geht, gelungen. Vor allem wenn man Anzahl zu synchronisierender Programme bedenkt die man bräuchte, wenn für jede Aufgabe eine einzelne Software verwendete. Dafür klemmt es an anderen Stellen, wie der Implementierung von Webdiensten.
    Aber andere Programme sind da auch nicht perfekt, wie Sie schon bemerkten. Und je webbasierter desto abhängiger ist man von einer stabilen Verbindung und vom Support des Anbieters (wehe, er schaltet die Server ab). Darum bin ich eigentlich recht froh wenn ich möglichst viel auf meinem PC machen kann und nicht für alles eine Internetverbindung brauche. Aber das ist eben auch wieder sehr subjektiv und Geschmackssache.

    Sonnige Grüße aus dem Süden Deutschlands
    Martin Nowak

    • Nils Müller sagt:

      Wow, herzlichen Dank für diesen ausführlichen Kommentar, Herr Nowak!

      Natürlich ist die Wahl der Software immer eine Abwägung zwischen eigenen Anforderungen und dem, was im Markt zu bekommen ist. Hier daher nur ein paar kurze Anmerkungen:

      > Ich erkenne deren Vorteile an, sehe aber kaum nennenswerte Einschränkungen darin, einen USB-Stick mit den wichtigsten Dingen darauf dabeizuhaben – Inklusive einer portablen Version meiner wichtigsten Programme, so dass ich auf jedem PC damit arbeiten kann, ohne etwas zu installieren.

      Das ist immer noch eine valide Methode, bei der Sie nur ein stabiles System brauchen, dass die Daten auf Ihrem Kernrechner immer synchron hält. Und Sie müssen eben einen Rechner haben, der eindeutig das „Zentrum“ des Systems darstellt. Während meiner Doktorarbeit habe ich allerdings zum Beispiel mehr oder weniger gleichberechtigt an drei Computern gearbeitet und durchaus auch einige Seiten am Tablet verfasst. Da habe ich die Cloud-Funktion von Mendeley lieben gelernt.

      > Darum sollte es keinen Online*zwang* geben, eine Online*option* reicht. Und die ist insofern gegeben, als dass der Backup-Ordner von Citavi ein Dropbox-Ordner sein kann, der beim Beenden synchronisiert wird. Dass Citavi indirekt mit der Dropbox kooperieren kann haben Sie ja auch selbst geschrieben.

      Stimmt, eine Software mit entsprechendem Zwang würde ich auch nicht nutzen. Gerade die großen Cloud-Dienste (Evernote, Mendeley…) bieten meist aber ein Programm an, das offline vollkommen funktionsfähig ist und auch auf lokalen Daten arbeitet. Es übernimmt eben nur auch die Synchronisation auf den lokalen Rechner. Auch Serverausfälle sind also kein Problem, sie blockieren nur die Synchronisation.

      Auch für die Zusammenarbeit in Teams und die Anbindung an andere Dienste finde ich cloud-basierte Daten wesentlich nützlicher

      > Zwar nutze ich Citavi durchaus für meine private Wissensorganisation, aber diese fällt bei weitem nicht so umfangreich aus wie bei einem Hochschulmitarbeiter.

      Ich bezog mich dabei gerade auf große Mengen an Daten. z.B. die gut 1800 Quellen, die ich für meine Diss gesammelt hatte. Außerdem entstehen aus demselben Pool ja auch noch weitere Texte für die ich in Citavi immer ein neues Projekt anlegen und dann die relevanten Texte übertragen muss. Machbar, aber nervig.

      Gerade im echten professionellen Einsatz schwächelt Citavi also in meinen Augen. Für Strukturen wie ein Studium, wo jedes Seminar ein anderes Thema hat ist es jedoch sehr gut geeignet.

      > Wobei ich jetzt nicht so ganz verstehe, was an einer Ordnerstruktur besser ist als an Projekten. Ob ich jetzt ein Projekt oder einen Ordner öffne kommt doch aufs gleiche raus? Oder ist es die bessere Möglichkeit, die gleichen Quellen in mehreren Ordnern/Projekten zu nutzen? Vielleicht bin ich dafür aber einfach nicht tief genug in der Materie drin, umfangreiche Wissensarchive zu strukturieren.

      Die Mobilität, die Navigation und die Suche funktioniert über Ordner innerhalb derselben „Datenbank“ einfach besser als zwischen Datenbanken.

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