Das Handwerk – der ungeliebte Bruder der Wissenschaft

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2 Antworten

  1. Walter sagt:

    Ist es denn tatsächlich so, dass man in der modernen Mathematik nicht mehr zwischen Axiomen und Postulaten unterscheidet? Aus meiner Zeit in der mathematischen (wie auch physikalischen) Forschung würde ich sagen, dass man in der reinen Mathematik und großen Teilen der angewandten Mathematik durchaus eine klare Trennung macht, obgleich dort auch das Postulat beim Namen genannt wird: Annahme. Doch je weiter man sich von den einfachsten aller Wissenschaften entfernt (Mathematik und Physik*) je mehr wird man feststellen, dass die Theorien stark in Mode gekommen sind, sogar wenn sie nicht mit der Phänomenologie vereinbar sind (Beispiele gibt es zahlreich siehe z.B. Incerto N.N. Taleb). Und spätestens hier ist klar, dass den Theoretikern die Unterscheidung zwischen Axiom und Annahme entgleitet. Mindestens ebenso gravierend finde ich, dass man dort nach Bestätigungen der Theorien im Experiment sucht; vielmehr ist es geboten zu Fragen, welche „handwerklichen“ Resultate falsifizieren eine Theorie. Der Einsatz von Theorien, die zwar überzeugend klingen, aber höchstens „bestätigt“ sind, führt wie wir wissen zu unerwünschten Ergebnissen (z.B. Pricing von CDOs –> Finanzkrise). Man kann auch Theorien anführen, die nicht mal bestätigt sind und deren Anwendung lautstark gefordert wird (z.B. „Mindestlohn vernichtet Arbeitsplätze“).

    * im Sinne, dass der Forschungsgegenstand wenig Komplexität hat und die Reproduzierbarkeit sehr hoch ist

    • Dr. Nils Müller sagt:

      Danke für deinen Kommentar, Walter.

      An der Stelle stecke ich nicht tief genug drin, um einschätzen zu können, ob das in den Bereichen auch so ist, sondern kann nur Hanich wiedergeben. Ich glaube aber auch, dass den Mathematikern der Unterschied noch bewusst sein sollte, die Frage ist allerdings, ob die Konsequenzen entsprechend gezogen werden und so argumentiert wird, dass die Postulate eben doch auch „falsch“ sein können. Bei den anderen Wissenschaften sehe ich da die Gefahr auch wesentlich größer.

      Zum Falsifizieren: Hier gibt es tatsächlich eine forschungspraktisch bedingte Abkürzung, die immer beliebter wird: Ich suche die unintuitivste Erwartung, die ich aus der Theorie ableiten kann und wenn die dann zutrifft sehe ich das als Bestätigung für die Theorie. Das wird in einem Text mal sehr schön „Sinatra Inference“ gennant: „If the theory can make it here, it can make it anywhere“. Sicherlich methodisch-theoretisch nicht sauber, aber argumentativ durchaus überzeugend.

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